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Können christliche Männer und Frauen Freunde sein?

Aktualisiert: Jan 4


von Paul Maxwell; Übersetzt von Anna Michelle Sutter



Die Frage ist ein Pulverfass. Die, die sofort mit „ja“ antworten, können ebenso viele Beispiele aus ihrer persönlichen Erfahrung erzählen wie die, die „nein“ rufen. Wenige behandeln das als ein wirklich wichtiges Thema – Meinungen werden in einem Stil vorgetragen, der die Frage selbst als Verletzung des gesunden Menschenverstandes darstellt. Es werden ganz verschiedene Antworten gegeben. Verschiedene Stellen zitiert. Die Diskussion ist völlig festgefahren.


Also, können christliche Frauen und Männer Freunde sein?

Zu Beginn ist festzustellen, dass es verschiedene Mann-Frau-Beziehungen gibt, die alle besondere Aufmerksamkeit verdienen.


Eine alleinstehende Frau und ein verheirateter Mann.

Eine verheiratete Frau und ein alleinstehender Mann.

Eine verheiratete Frau und ein verheirateter Mann.

Eine alleinstehende Frau und ein alleinstehender Mann.


Wie sehen diese Freundschaften aus? Sollten sie existieren? Verbietet Gott sie oder sind sie lebenswichtig für den Leib Christi? Sind sie offensichtlich unangebracht oder unbestreitbar essentiell in einer gesunden Kirchengemeinde?


Mir scheint, nachdem ich das Wort Gottes dazu studiert habe, dass sich Freundschaften zwischen Männern und Frauen noch stärker auf den Prozess stützen, der allen Freundschaften zugrunde liegt:


1. Die Risiken der Beziehung abwägen.

2. Notwendige und liebevolle Grenzen für die Beziehung setzen.

3. Die einzigartigen Wohltaten einer Beziehung zu Gottes Ehre genießen.


Normalerweise passiert dieser Prozess unbewusst bei jeder neuen Beziehung: das Prüfen, ob eine Beziehung schädlich für uns ist oder Gott gegenüber ungehorsam, und wenn das nicht der Fall ist, das Herausfinden der gesunden Rahmenbedingungen, um diese Beziehung so fruchtbar wie möglich zu machen, und schlussendlich das Genießen der stetigen Wohltaten und Vorzüge dieser Beziehung.


Wenn wir diese Frage stellen („Können Frauen und Männer Freunde sein?“), dann müssen wir feststellen, dass jede neue Möglichkeit der Freundschaft zwischen einer Frau und einem Mann ein erneut abgewogenes „ja“ oder „nein“ in verschiedenen Umständen oder verschiedenen Lebensabschnitten benötig.


Unvermeidbare Risiken


Da alle gottesfürchtigen Freundschaften zwischen Männern und Frauen Freundschaften zwischen zwei Jüngern Jesus sein werden, ist der erste Schritt in eine solche Freundschaft sich zuvor hinzusetzen und die Kosten zu berechnen, denn „[man] muss doch wissen, ob seine Mittel reichen, um das Vorhaben auszuführen“ (Lukas 14:28). Mittel wie ausreichende Informationen. Ausreichende Selbstbeherrschung. Ausreichend Gemeinschaft. Ausreichend Weisheit.


1. Freundschaften zwischen Männern und Frauen riskieren unerwiderte Gefühle


Eine Person hat völlig unschuldige oder freundschaftliche Intentionen, die andere Person verliebt sich. Zwischen einer verheirateten Person und jeder anderen Person, die nicht ihr Ehepartner ist, sollte die Freundschaft sofort beendet werden.

Aber selbst bei alleinstehenden Personen sind die Gefahren erheblich. Freundschaften zwischen Männern und Frauen bergen immer die Möglichkeit der Unannehmlichkeit, des Konflikts, des Herzschmerzes. Jemand denkt „Führt das irgendwo hin?“ und jemand denkt das nicht. Man nennt das dann „friend zone“ und es ist sehr leicht für tektonische Platten des Verlangens eine aufregende, hitzige Freundschaft zu erschaffen, wobei diese Hitze jedoch tatsächlich aus den Gründen entsteht, dass ebendiese sich in verschiedene Richtungen bewegen.


Ob wir nun die begehrende Person oder die begehrte Person sind, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind: Wollen wir wirklich beide das Gleiche von dieser Freundschaft? Wenn wir uns diese Frage nicht stellen, dann wird jemand irgendwann die Konsequenzen tragen müssen.


2. Freundschaften zwischen Männern und Frauen riskieren sexuelle Versuchung


Wenn wir blind in Freundschaften mit dem anderen Geschlecht laufen mit dem Gedanken, dass diese nicht anders als Freundschaften mit dem gleichen Geschlecht sind, dann liegen wir gefährlich falsch. Sie sind anders. Tragische und herzzerreißende Entwicklungen in der Kirche lassen vermuten, dass Affären sehr oft unterschwellig und sogar unschuldig beginnen und in schrecklicher Zerstörung enden. Muster intimer Einzelgespräche zwischen Männern und Frauen erschaffen ganz natürlich die Sorte der Intimität, die zu einer Romanze führen.


Salomo schreibt: „Ein Taugenichts … Verkehrtheit ist in seinem Herzen, er schmiedet Böses; allezeit streut er Zwietracht aus. Darum wird sein Verderben plötzlich über ihn kommen; augenblicklich wird er zerschmettert werden, unrettbar“ (Sprüche 6: 12, 14-15).


Das ist die falsche Einstellung: „Wir blödeln nicht herum. Es gibt nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste. Das ist nicht so was.“ Das Verhängnis von außerehelichem Sex passiert fast immer plötzlich. Es überrascht uns immer. Es steht immer vor unserer Tür mit einem unschuldigen Lächeln. Oder es führt uns zur Tür einer anderen Person. Zu deren Couch.


Der Funke sexueller Immoralität kann in einem einzigen Blick liegen. Die Frage, die wir uns ehrlich und regelmäßig selbst stellen müssen, ist: „Sieht die Struktur unserer Beziehung aus wie Anzündholz für einen Waldbrand?“ Wenn eure Einstellung zu eurer Intimität entspannt ist, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass es in Flammen aufgeht.


3. Freundschaften zwischen Männern und Frauen riskieren die Untergrabung der Ehe


Es ist nicht ungewöhnlich, dass alleinstehende Personen als „Verführung“ oder „Verlockung“ verteufelt werden, während die Verheirateten als Opfer ebendieser dargestellt werden. Doch es scheint als käme diese Versuchung oft aus der anderen Richtung, von der verheirateten Person ausgehend: z.B. Josef und Potiphars Ehefrau (1. Mose 39: 11-18) oder es ist zumindest unklar wie bei dem Kirchenmitglied und der Frau seines Vaters (1. Korinther 5:1).


Der Punkt ist, man sollte weder den einen noch den anderen Beziehungsstand als besser oder weniger geschützt verteufeln oder verherrlichen. Es geht darum zu erkennen, dass es das gemeinsame menschliche Merkmal ist, das es möglich macht, den Ehebund zu untergraben, wenn eine (oder beide) Personen verheiratet sind.


Ein paar Fragen dafür sind:

Verbringen wir zusammen Zeit allein?

Sind unsere Treffen (und vor allem Treffpunkte) mehr und mehr privat?

Beschweren wir uns bei einander über unsere Ehen (oder unser Liebesleben)?Schreiben wir privat?

Stelle ich fest, dass ich über die Person nachdenke oder über ein gemeinsames Leben fantasiere?

Stelle ich fest, dass ich Intimität in dieser Beziehung erlaube, die anderenfalls unangebracht wäre?

Potentielle Belohnungen


Wenn die Risiken einer Freundschaft zwischen Mann und Frau erst einmal bedacht und abgewogen wurden, können wir uns die Frage stellen: „Können diese Risiken gemildert werden?“ Können Demut und Ehrlichkeit, Gemeinschaft und Rechenschaft uns vor diesen drohenden Konsequenzen beschützen und uns erlauben, all das Gute, was von solchen Freundschaften kommen kann, zu genießen?


1. Gott belohnt angemessene Grenzen


Jede Beziehung – jegliche Intimität – gedeiht mit den richtigen Grenzen. Und die Art der Beziehung legt die Grenzen fest, die sie zum Gedeihen braucht. „Der Weg des Lebens geht aufwärts für den Einsichtigen, damit er dem Totenreich entgeht, das drunten liegt“ (Sprüche 15: 24). Was ist also der angemessene Weg für Freundschaften zwischen Männern und Frauen?


Die Antwort ist natürlich für jede Beziehung unterschiedlich. Aber der Punkt ist, dass Grenzen existieren sollten.


Ein paar Beispiele wären:

Keine privaten Nachrichten (bezieht immer einen Ehepartner oder eine andere gottesfürchtige Person mit ein).

Keine privaten oder geheimen Treffen (die richtige Person oder Personen wissen immer Bescheid).

Keine detaillierten Besprechungen von Ehen oder Liebesleben.


Weisheit bedarf einiger neins, um die Sicherheit und Unversehrtheit, die zum Leben führen, zu erhalten und nicht die Achtlosigkeit und Freizügigkeit, die zur Sünde führt.


2. Gott belohnt Kommunikation


Anders ausgedrückt, Sünde gedeiht in der Faulheit von Zweideutigkeit. Seien wir ehrlich in unseren eigenen Intentionen: Warum wollen wir wirklich in diese Freundschaft investieren und sie aufbauen? Ist es, weil wir die Aufmerksamkeit dieser Person mögen, die wir nicht von unserem Ehepartner oder zukünftigen Ehepartner erhalten? Ist es, weil wir unterschwellig davon erregt sind, die Grenzen auszutesten, deren Übertreten sich verboten anfühlt?


Gott belohnt die durchdachte Antwort, die ehrlich den Zustand unseres Herzens widerspiegelt. Und wir müssen vorsichtig sein, im Kontext strenger Gemeinschaft, dass wir uns nicht selbst etwas vormachen, was unsere Intentionen anbelangt.


Wenn wir unsere Intentionen ehrlich festgestellt haben, müssen wir sie klar ausdrücken. Sind wir Freunde aufgrund der Kirche, aufgrund eines Projekts, aufgrund eines gemeinsamen Hobbys, aufgrund eines Dienstes an der Gemeinde? Man sollte eine Antwort haben und jegliche Interaktion, die von diesem gemeinsam festgelegten Grund wegführt, nicht zulassen.


3. Gott belohnt starke Gemeinschaft


Es ist leicht für die Kirche, sich in Männerarbeit, Frauenarbeit und Paararbeit aufzuteilen. Singles sind dabei nicht eingerechnet und somit unberechenbar, sie bringen ein scheinbar leichtes System von Reinheit und Unverdorbenheit aus der Fassung. Dabei sind Freundschaften zwischen Männern und Frauen in der Kirche ein heiliger Ausdruck der hart erkämpften Intimität, die Gott für uns in Christus erworben hat (Galater 3: 28), vor allem, wenn wir andere in diese Freundschaften zur Sicherheit miteinbeziehen.


All diese Arbeit, die wir in Grenzen und Klarheit investieren, ehrt und ermöglicht dieses Geschenk – ein Geschenk, welches nicht grundsätzlich für Gottes Volk verboten sein sollte. Aber es sollte nur erlaubt sein, wenn es angemessene Sichtlinien gibt, wenn andere Personen ins Bild gesetzt wurden und genug involviert sind, um beide Parteien zu beschützen.


Warum könne wir keine Freunde sein?


„Es ist mir alles erlaubt – aber es ist nicht alles nützlich! Es ist mir alles erlaubt – aber es erbaut nicht alles!“ (1. Korinther 10: 23). Was für die einen gut ist, ist für die anderen nicht lohnend – und kann sogar schädlich sein. Was in der einen Situation eine schöne und heilige Freundschaft zwischen Mann und Frau sein kann, ist nicht automatisch allgemeingültig für jede andere Freundschaft zwischen Mann und Frau und kann sicherlich nicht für jeden Mann und jede Frau verabsolutiert werden. Dies zu tun wäre schlicht unklug und unsicher.


Aber wenn die Risiken abgewogen wurden und belohnende Strukturen aufgebaut wurden, können wir mit gutem Gewissen vor Gott treten und ihn um seinen Segen für diese Freundschaft mit dem anderen Geschlecht bitten. Diese Sicherheit verdient man sich durch eine reife, gottesfürchtige Erfolgsbilanz: „Irrt euch nicht: Gott lässt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Galater 6:7). Aber es ist möglich. Und es ist wunderschön. Aber wie alle schönen Dinge benötigt es geduldige Investition, freigiebige Demut, schonungslose Selbstlosigkeit und Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung.


Paulus ermutigt uns: „Lasst uns anständig wandeln wie am Tag, nicht in Schlemmereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid“ (Römer 13:13). Es ist interessant, dass Paulus „sexuelle Immoralität“ mit „anständig wandeln wie am Tag“ vergleicht. Wenn unsere Nachrichten nicht privat, unsere Treffen nicht listig, unsere Intimität nicht verschleiert und feixend ist, dann können wir teilhaben an einer reinen Intimität von Freundschaften zwischen Männern und Frauen, die öffentlich und vorbildlich ist, gefüllt mit Gnade und Wahrheit.


„[Du] sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Ich bin der Herr“ (3. Mose 19:18). Kein pharisäerhaftes Gebot über Beziehungen zwischen Männern und Frauen sollte Einzug erhalten in dieses12323 Gebot. Noch sollte eine libertäre Gesetzlosigkeit es unterwandern. Gott erfreut sich an Freundschaften zwischen Männern und Frauen, aber nur, wenn sie etwas Wahres und Gutes über ihn zu der Welt sagen (Johannes 13:35). Männer und Frauen, lasst uns gewissenhaft in Weisheit und unablässig ohne Tadel sein und lasst uns Freunde im Herrn sein.

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Jeden Freitag um 20:00 Uhr

Treffpunkt: Hoffnungskirche Kaiserslautern
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